Wieso Tiere im therapeutischen und pädagogischen Einsatz wirken

Gründe für den Einsatz von Tieren in pädagogischen und therapeutischen Settings liegen offensichtlich auf der Hand. Tiere sind unvoreingenommen, kümmern sich nicht um Äußerlichkeiten oder seelische Makel. Sie nehmen uns Menschen so, wie wir sind. Sie verurteilen uns nicht, gelten als Motivatoren, soziale Katalysatoren. Ebenso können Sie Angst reduzieren und innere Spannungen abbauen. Tiere spenden Freude, fördern die Gesundheit und geben in verschiedensten Situationen soziale Unterstützung.

Erklärungsansätze

Biophilie Hypothese

Ein Ansatz ist die Biophilie Hypothese. Diese Hypothese wurde im Jahr 1984 von dem Sozialbiologen Edward O. Wilson formuliert. Darin geht er von einer biologisch begründeten Affinität des Menschen zur Natur und ihren Lebewesen aus. Diese entwickelte sich evolutionsgeschichtlich seit Jahrtausenden. Das heißt, Mensch und Tier kennen sich schon Ewigkeiten. Dadurch entstand eine instinktive Verbundenheit , die für beide Seiten Nutzen brachte. Evolutionär bedingt scheint es dem Menschen ein natürliches, in den Genen verankertes Bedürfnis zu sein, mit anderen Lebewesen, Lebensformen und Ökosystemen in Verbindung zu treten, und in die Natur eingebunden zu sein (Vernooij & Schneider, 2013).

Du – Evidenz

Ein weiterer Ansatz ist die Du-Evidenz von Karl Bühler aus dem Jahr 1922. Darunter wird die Fähigkeit verstanden, eine andere Person als eigenständiges Individuum, als „Du“, wahrzunehmen und zu respektieren. Die Wortwahl „Evidenz“ macht deutlich, dass es sich dabei um eine als absolute Wahrheit empfundene Überzeugung handelt (Vernooij & Schneider, 2013).
Später dann, im Jahr 1931 wurde der Begriff der Du- Evidenz auf die Mensch-Tier- Beziehung ausgeweitet und beschreibt die Tatsache, dass auch zwischen Menschen und Tieren eine Beziehung möglich ist. Und diese der Beziehung zwischen Menschen ähnelt. Indem wir unserem Tier einen Namen geben und teils menschliche Eigenschaften zusprechen, wird es zum Individuum. Als fest integriertes Familienmitglied erhält es Ansprache, Zuwendung und wird somit zum Subjekt von Bedürfnissen, dem auch Rechte vorbehalten sind (Breuer, 2008). Letztendlich ist es die Existenz emotionaler Verbindung zwischen Mensch und Tier, die es möglich macht, in Beziehung zu treten und eine Bindung aufzubauen.

Psychologische und neurobiologische Effekte

Als dritten Ansatz können psychologische und neurobiologische Effekte herangezogen werden. Der Einsatz von Tieren in verschiedensten Settings tiergestützter Interventionen zeigt eine Palette an positiven Wirkungen. Gut etabliert und durch Studien belegt sind positive Auswirkungen auf die Konzentration und Motivation von Klienten, vor allem bei Kindern und Jugendlichen . Dabei ersetzen Tiere nicht die jeweiligen Therapeuten oder Pädagogen, sondern wirken als „soziale Katalysatoren“. Sie stellen eine „Brücke“ in der Kommunikation zwischen Klient und Therapeut dar.
Zustande kommen diese Wirkungen vor allem durch das Oxytocin- System. Oxytocin ist ein Hormon, was im Hypothalamus synthetisiert wird und über die Hypophyse in den Blutkreislauf gelangt. Bekannt als Kuschelhormon wird es durch eine intensive sensorische Stimulation bei der Geburt, beim Stillen, beim Sex aber auch beim Streicheln ausgeschüttet. Es wirkt angstlösend, beruhigend, reduziert Stress und Depressionen und fördert Vertrauen und Neugier (Julius, Beetz, & Kotrschal, 2014).
Dadurch, dass Oxytocin das menschliche und tierische Fürsorgeverhalten induziert, ist es eng mit dem Bindungssystem verknüpft. Durch eine enge Kontaktaufnahme zum Tier, z.B. durch Streicheln, wird Oxytocin ausgeschüttet und lässt viele Klienten ruhiger, vertrauensvoller und offener werden. Das ist gerade in der tiergestützten Arbeit eine hervorragende Grundlage für einen weiteren Beziehungsaufbau und somit für weitere Interventionen. (Wohlfarth & Mutschler, 2017).

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